„Nach ‚lieben‘ ist ‚helfen‘ das schönste Zeitwort der Welt.“ Dieser Satz der österreichischen Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner passt gut zum Roten Kreuz und dem Zukunftskongress „Engagement heute – Ehrenamt und Freiwilligentätigkeit“. Die Mitarbeiter des Roten Kreuzes, gleich ob ehren- oder hauptamtlich, helfen. In Deutschland und überall in der Welt, stets hochprofessionell und immer mit Leidenschaft. Zudem war Bertha von Suttner eng befreundet mit dem Gründer des Roten Kreuzes, Henry Dunant, dessen Todestag sich während des Kongresses, am 30. Oktober, zum 101. Mal jährt. Die beiden Friedensnobelpreisträger verband der Wille, die Welt besser zu machen. Das wollen auch die mehr als 400.000 Menschen, die sich hierzulande ehrenamtlich beim Deutschen Roten Kreuz engagieren. So verschieden sie alle sind, haben sie doch eines gemeinsam: Sie helfen zu helfen. Denn ohne seine Freiwilligen würde das Deutsche Rote Kreuz überhaupt nicht arbeiten können; ohne seine Ehrenamtlichen würden auch die hauptamtlich Tätigen kaum in der Lage sein, Hilfe zu leisten.
Bürgerschaftliches Engagement ist wichtig für unsere Zukunft. Engagierte leisten schon heute einen unermesslichen Beitrag zum Zusammenhalt in unserem Land, sie machen unsere Gesellschaft lebens- und oft auch liebenswert. Kaum eine der Herausforderungen, vor denen wir stehen, wird sich ohne den Einsatz von Freiwilligen bewältigen lassen – gleich, ob es um gelingende Integration, gute Bildung, würdige Pflege von Kranken und älteren Menschen, die Betreuung von Menschen mit Behinderungen oder um Hilfe in der Not geht. Auch die Ehrenamtlichen des Deutschen Roten Kreuzes sind in vielen dieser Bereiche aktiv. Dieses Engagement zu fördern, zu stärken und anzuerkennen, ist eine wichtige Aufgabe. Der DRK-Zukunftskongress kann hierzu mit seiner Münsteraner Erklärung einen großen Beitrag leisten. Das gleiche Ziel hatte die Europäische Kommission im Sinn, als sie 2011 zum Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit ausrief. Denn – wie vor Ort im Kleinen – gilt auch auf der europäischen Ebene, dass ehrenamtliches Engagement eine Form der gelebten Bürgerbeteiligung ist, die unsere gemeinsamen europäischen Werte wie Solidarität und sozialen Zusammenhalt festigt. Und nicht zuletzt gibt der freiwillige Einsatz, der zumeist im unmittelbaren Lebensumfeld stattfindet, Menschen Halt und Heimat. Wer sich engagiert, tut anderen etwas Gutes, aber auch sich selbst, weil Engagement Lebenssinn stiftet. Dieser Einsatz ist keine Pflichtübung – genauso wenig, wie die Arbeit von Ehrenamtlichen als eine Art Ausfallbürgschaft für leere Kassen missbraucht werden darf. Schon in der Bibel steht, dass die Nächstenliebe und die Selbstliebe zusammengehören, ja sogar einander bedingen. Lieben und helfen – nach Bertha von Suttner die schönsten Verben der Welt – stehen eben in einem engen Verhältnis.
Ich wünsche allen Teilnehmern des Zukunftskongresses eine ertragreiche Arbeit.
Prof. Dr. Norbert Lammert, Präsident des Deutschen Bundestages